Das Haus der Geschichte in Reckenfeld - Heimatverein Greven

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Das Haus der Geschichte in Reckenfeld

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Vor der Demontage der Gleisanlagen - eine Dampflok im damaligen Bahnhof Hembergen
Das "Haus der Geschichte" in Reckenfeld
 
 
   
Das Haus der Geschichte ist ein ehemaliger Munitionsschuppen aus dem I.  Weltkrieg, in dem bis Kriegsende 1918 und auch noch darüber hinaus  Kampfmittel  (u.a. Stiel- und Eierhandgranaten) eingelagert worden  sind. Grundlage dafür war ein Militärbefehl des Kaiserlichen  Kriegsministeriums in Berlin vom 02. November 1916, wonach an der  Eisenbahnstrecke Münster - Rheine bei Hembergen ein Munitionsdepot für  Nahkampfstoffe zu errichten sei. Demenstprechend wurden in der Gemarkung  Reckenfeld auf einer Fläche von 160 ha insgesamt 208 Munitionsschuppen  in unterschiedlicher Größe errichtet und dazu die erforderliche  Infrastruktur (Versorgungseinrichtungen, Gleisanlagen) hergestellt. Die  Baukosten betrugen insgesamt 11,5 Millionen Goldmark. Die Einlagerung an  Munition umfasste 7 Millionen Stück, mit deren Vernichtung und  Beseitigung man bis 1920 beschäftigt war.

Nach den Regelungen des Versailler-Vertrages hätte das Nahkampfdepot  Hembergen gänzlich beseitigt und dem Erdboden gleichgemacht werden  müssen. Dazu ist es aber nicht gekommen. Das gesamte Depot wurde am 03.  August 1923 vom Reichsfiskus an die Eisenhandelsgesellschaft-Ost (EHG)  für 100.000 Goldmark verkauft. Das entsprach in Zeiten der Hochinflation  einem Geldwert von 269,325.000.000.000 Billionen Mark.

Die EHG begann sodann mit der Demontage und Verwertung der Gleisanlagen,  jedoch sind die Munitionsschuppen und die Verwaltungsgebäude davon  verschont geblieben, weil sie für eine zivile Nachnutzung gebraucht  wurden und dies aus folgenden Gründen:

Nach dem Versailler-Vertrag musste das Deutsche Reich Teilgebiete im  Osten (Westpreußen/ Warthegau) an Polen abtreten, so dass die dort  wohnenden deutschen Familien ihre Heimat verloren. Teile dieser Familien  kam als Optanten bzw. Siedler nach Reckenfeld, um in den verwaisten  Munitionsschuppen sich eine neue Wohnung einzurichten. Somit ist aus  einer militärischen Einrichtung nach und nach ein dörfliches Leben mit  einer Zivilgesellschaft entstanden.

Der hier präsentierte Munitionsschuppen mit der Depot-Bezeichnung 'C 3'  wurde über mehrere Genarationen von der Familie Börger bewohnt, bevor  diese ihn an die Stadt Greven verkaufte. Er ist der letzte noch original  erhaltene Munitionsschuppen seiner Art in ganz Deutschland.

Nach der ursprünglichen Planung der Stadt Greven sollte dieser  Munitionsschuppen abgerissen und das Grundstück verkauft werden, um mit  dem Erlös die städtischen Finanzen aufzubessern. Das konnte  glücklicherweise verhindert werden, in dem der Reckenfelder Bürgerverein  e.V. mit der Stadt Greven eine Vereinbarung traf diesen Schuppen in  seinen Urzustand wieder zurückzubauen, um daraus ein Haus der Geschichte  für Reckenfeld entstehen zu lassen.  

Bildnachweis: Pixabay, Reckenfelder Bürgerverein
(c) Heimatverein Greven - 2022
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