Auswanderer der Familie Lütke Laxen - Heimatverein Greven

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Auswanderer der Familie Lütke Laxen

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Pfarrkirche St. Martinus - Geschichtsort seit dem 8. Jahrhundert
Einmal das Land der Ahnen sehen ...

Einmal das Land der Ahnen sehen, dass war der Traum von Clarenc Laxen. Als Enkel eines Auswanderers wurde Clarenc 1923 in  Winsted, Minnesota, USA geboren. Leider konnte er seinen Traum zeitlebens nicht verwirklichen, umso wichtiger wurde es für seine Töchter, in die Heimat des Urgroßvaters zu kommen. Vor knapp drei Jahren, im Juli 2019 begannen sie mit der Planung und suchten über die Kontaktseite der Stadt Greven nach Informationen. Die Anfrage wurde an die Familienforscher des Heimatvereins Greven weitergeleitet und dort begann die Recherche. Vorarbeit hatte Elisabeth Frische schon in Ihrem Buch „Grevener Auswanderer nach Amerika im 19. Jahrhundert“ geleistet – die ersten Spuren waren aufgenommen. Das Wissen der Familienforscher, Einsicht der Akten im Heimatverein, Sichtungen von Familienanzeigen im Archiv der „Westfälischen Nachrichten“, alle Informationen wurden durch das Team der Familienforscher zusammengetragen.

Der Urgroßvater von Renee, Jane und Diane Laxen, wurde als Heinrich Lütke Laxen 1852 in Gimbte geboren, in den Staaten war er dann nur unter Henry Laxen bekannt. Er wuchs als das Jüngste von fünf Kindern auf dem Hof Lütke-Laxen an der Sprakeler Straße auf. Nach dem Tod seiner Eltern hatte der älteste Sohn den Hof übernommen und Heinrich sah seine Chance in der Ferne. 1882 ging es mit einem der vielen Auswandererschiff in die Staaten. Einige Zeit arbeitete er als Eisenbahnbauer in Nord-Dakota, sein Ziel aber war Winsted – ein kleiner Ort in Minnesota, an dem schon andere Auswanderer aus der hiesigen Region gesiedelt hatten. Sogar eine kleine deutsche Gemeinde gab es dort und man half sich untereinander. Von dem hart erarbeitetem Lohn erwarb der die ersten 80 acres (knapp 200 ha) Land  und vermeldetet das stolz in einem Brief an die Verwandten in der Heimat. Die zweifelten und baten ihn gar, doch bei der Wahrheit zu bleiben. Daraufhin soll er gesagt haben: „Wenn sie mir nicht glauben wollen, dann schreibe ich ihnen nicht mehr“ und jahrelang gab es kaum noch Briefkontakt. Er heiratete Josephine Artmann, ein Tochter von Auswanderern aus Ostbevern und Fuestrup, wurde Vater von neun Kindern und kaufte noch einmal 80 acres Land dazu, bildete so den Grundstock für den amerikanischen Laxenfamilienzweig.

Das auch andere Vorfahren aus Deutschland kamen, war zwar klar, dass jedoch 9 der 16 Ur-Urgroßelten hier im Umkreis von 20 Kilometern ihre Geburtsorte hatten, wusste man in der Familie Laxen nicht. Die Mutter der Laxenschwestern war eine geborene Fieke, so ging auch der mütterliche Zweig auf Grevener Auswanderer zurück. Bei Sichtung und Erfassung der Daten nahm Ingrid Edelkötter vom Team der Familienforscher im Heimatverein Greven die Spuren auf und konnte den Laxenschwestern alsbald eine Vielzahl von Cousins und Cousinen 3. bzw. 4. Grades präsentieren.

Henry starb mit 69 Jahren 1921, zwei Jahre bevor sein Enkel Clarenc 1923 zur Welt kam. So konnte er nicht mehr von der deutschen Heimat erzählen, aber das Interesse und den Wunsch, zurück zu den Wurzeln zu kommen, war bei Clarenc groß.

Leider konnte er seinen Traum nie verwirklichen, drei seiner vier Töchter jedoch kamen nun für zwei Wochen nach Deutschland. Sie starteten mit eine Busrundreise, sahen Köln, Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Dresden, Nürnberg, München, Schloß Neuschwanstein und den Schwarzwald, aber die zwei Tage in Gimbte und Greven waren besonders bedeutsam.

Auf dem Ursprungshof Lütke-Laxen an der Sprakeler Straße wurden die Schwestern herzlich durch Hedwig von Wulfen, deren Nichte Annette Goldschmidt und Großnichte Jana empfangen. Ausführlich wurde der Hof besichtigt und für die daheimgebliebene Verwandtschaft mit Fotos belegt. Dann wurden die Fotoalben gewälzt und im regen Austausch besprochen. Beim anschließendem Mittagessen wurden die Unterlagen und Briefe dann doch beruhigt aus der Hand gelegt, da beschlossen war, die Unterlagen einzuscannen und somit allen verfügbar zu machen und die original westfälische Hochzeitsuppe konnte mit Ruhe genossen werden.

Ein Besuch des Cousins drittes Grades, Burkhard Lütke-Laxen vom Spargelhof Lütke-Laxen in Gelmer, entzückte die Amerikanerinnen schon bei der Anfahrt. Ein riesengroßes Schild mit dem eigenen Namen wurde direkt zur Fotokulisse und die Laxenschwestern genossen den Sonntagabend mit einem ausgiebigen Spargelessen. Burkhard Lütke-Laxen erinnerte sich noch gut an Clarenc Laxen, den er bei einem Aufenthalt in den Staaten persönlich kennen gelernt hatte und schnell kamen neben den kulinarischen Genüssen auch die alten Geschichten auf den Tisch.

Bei einem weiteren sehr anregendem Kaffeebesuch (das Kuchenrezept wird auch in den Staaten geteilt werden) auf dem Vorfahrenhof Horstmann in Herbern, wobei besonders die Pferde viel Aufmerksamkeit erhielten, wurde ein moderner Hof bewundert.

Wie schwer es dagegen die eigenen Vorfahren gehabt haben und wie es früher auf den Höfen aussah, konnten die Schwestern bei einem weiteren Cousin 3. Grades, Josef Averkamp vom Museumshof Averkamp in Gimbte anschauen. Die Nichte des Auswanderers, Catharina Lütke-Laxen verheiratete sich auf den Hof Averkamp. So wurde bei manch einer Tasse Kaffee aus dem alten Geschirr vielleicht auch über die amerikanische Verwandtschaft gesprochen. Mitgenommen haben die Laxenschwestern viele tolle Erinnerungen und jede von Ihnen hatte unabhängig von einander einen kleinen Stein eingesammelt, der nun seinen Weg auf das Grab des Vaters finden wird - so kommt Heimat zu Clarenc, auch wenn es das Land seiner Vorfahren nie sehen konnte.

Renee, Diane und Jane Laxen sagten, die gesamte Reise, die schon vor zwei Jahren stattfinden sollte, wegen Corona aber immer wieder verschoben wurde, war hochinteressant und spannend, der Aufenthalt hier in Greven-Gimbte aber sei das Highlight der Reise gewesen. Sie bedankten sich sehr bei Ingrid Edelkötter von Heimatverein Greven für die Recherche der Familienzusammenhänge, für die Organisation und die Betreuung während der ereignisreichen Tage.


  
Originalausschnitt der Anfrage im Juli 2019:

Our family name is Laxen. Our ancestors emigrated from Greven Germany to a small town in Minnesota (USA) about 130 years ago. It has been my Father´s dream to visit the motherland that his grandfather knew. However, Dad never made it, and he passed away a year ago at the age of 94. So, it has now become important for me and my sister to fulfill his dream.

Bildnachweis: Markus Ahlert, Pixabay, Ingrid Edelkötter
(c) Heimatverein Greven - 2022
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